Ein flotter Spaziergang tut auch gut

Wie oft gehst du Walken oder Joggen?

Tja…es ist schon etliche Jahr her, da hörte ich mal wieder vom Arzt den Satz: „Joggen ist wirklich nicht das Richtige für Sie. Sie sollten stattdessen eher walken“. Wums. Das ist genau das, was man als 19/20-Jährige hören möchte. Aber so ist es nunmal. Ich habe Rheuma – genauer gesagt eine rheumatoide Arthritis – und das schon seit mittlerweile 22 Jahren. Als die Diagnose mit 12 Jahren kam, hat das mein Leben ganz schön aus der Bahn genommen, denn es hat einige Jahre gedauert, bis ich medikamentös so gut eingestellt war, dass ich meinen Hobbys zumindest wieder ansatzweise nachgehen konnte.

Bevor das Rheuma kam, war ich eine begeisterte Sportskanone. Ich hatte gerade mit Leichtathletik angefangen, als auf einmal nach den Handgelenken nun auch noch die Sprunggelenke dick und schmerzhaft entzündet waren (und leider sollten quasi noch mehr oder minder alle weiteren Gelenke folgen in der Zeit darauf). Mit Joggen und Rennen war also erstmal nichts mehr.

Als ich 18/19 war, hatte ich das Gefühl, das Rheuma ganz gut unter Kontrolle zu haben. Damals ging es mir zeitweilig so gut, dass ich sogar wieder angefangen habe, laufen zu gehen. Direkt mehrmals die Woche bin ich morgens um sechs Uhr vor ser Schule mit einer Freundin durch den Wald gelaufen. Mensch, tat das gut. Doch ehrlicherweise war spätestens nach ein paar Monaten die Freude wieder vorbei, weil entweder ein Knie- oder Sprunggelenk anfing Probleme zu bereiten. Und dann hörte ich eben wieder die typischen Sätze vom Rheumatologen. Anfangs hab ich dann nach einer Pause immer wieder einen Neustart gemacht, doch als einmal mein eines Knie wieder so schmerzhaft entzündet war, dass klar war, es braucht jetzt eine längere Pause, fehlte mir danach irgendwie die Kraft, mich erneut aufzuraffen, um dann wieder an meiner eigenen Gesundheit zu scheitern.

Viele Jahre habe ich damit gehadert, dass  aus mir, einem einst super bewegungsbegeisterten jungen Mädchen eine eher faule Frau wurde. Auch heute gibt es noch manchmal Situationen, wo ich mich darüber ärgere. Und doch habe ich mein Leben so wie es mit der rheumatischen Krankheit ist, irgendwie akzeptiert (klar, mal besser und mal schlechter, aber meist recht gut). Ich versuche im Alltag viel Bewegung einzubauen, indem ich überall mit dem Rad hinfahre. Auch mit den drei Kindern bin ich immer mit dem Lastenrad unterwegs und achte stets darauf, die Unterstützung durch den Motor nur so hoch zu stellen wie gerade nötig.

Aufs Walken umzusteigen war für mich mit Anfang 20 undenkbar. Ich hatte den Eindruck, das machten nur Frauen Mitte 50, die sich dabei über die neuesten Vorabend-Soaps der ARD unterhielten. Damals erschien mir das alles sehr, sehr weit weg. Heute wäre das sogar anders und vermutlich würde es meiner Gesundheit richtig gut tun, mal zu walken. Aber heute scheitert es eher an der Zeit. Es ist ein Widerspruch in sich oder eine Art Teufelskreis. Eigentlich würde mehr Bewegung meine Gesundheit fördern und die brauche ich auch mit den drei Kids, aber gleichzeitig fehlt mir mit den drei Kids die Zeit für die Bewegung. Klar, es ist immer auch eine Frage der Prioritätensetzung. Aber da bin ich ehrlich: für mich haben andere Dinge in den Momenten, wenn ich mal Zeit für mich habe, dann irgendwie Priorität bzw. ich habe den Eindruck, dass sie mir und meiner Seele mindestens so gut tun wie Bewegung.

In diesem Sinne: es wird wohl also noch ein Weilchen dauern, bis ich mal wieder laufen oder joggen gehen werde. Letzteres natürlich auch nur, sofern ich einen Weg finde, mein Rheuma doch noch längerfristig auch mit weniger Medikamenten in den Griff zu bekommen (ich arbeite dran!). Bis dahin tut es auch dann und wann mal ein flotter Spaziergang im Alltag. Ohne Stöcke, aber dafür vielleicht in netter Gesellschaft.

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