Erzähle uns von der Reise, die dich am weitesten weg von zu Hause geführt hat.
Ich war 15 Jahre alt, als ich für ein Schuljahr lang ins Ausland zu einer Gastfamilie gegangen bin. Ich bin nach Südamerika gegangen, genauer gesagt nach Chile. Ich weiß nicht ganz, ob man diesen Aufenthalt als Reise im klassischen Sinne bezeichnen kann. Natürlich war das nicht wie ein Flug in den Urlaub oder eine Backpacking-Reise (das war mit 15 bzw. bald 16 alleine vor Ort eher schwierig). Aber es war trotzdem eine Art Reise, die mich für mein Leben geprägt hat.
Eine andere Kultur und Sprache (kennen)lernen
Trotz diverser Vorbereitungscamps durch die Austauschorganisation habe ich bei der Ankunft in meinem Alltag in Chile bei der Gastfamilie erstmal einen gewissen Kulturschock erlebt. Nicht nur das Essen war anders, auch der Schultag war ganz anders gegliedert als hier bei uns in Deutschland. Dazu die Schuluniform und natürlich eine große Sprachbarriere, denn ich konnte bei meiner Ankunft kein Wort Spanisch.
All das war gerade am Anfang sehr aufregend und oft auch anstrengend. Aber schön anstrengend. Und mit der Zeit konnte ich mich immer besser verständigen, dem Unterricht besser folgen und enge Freundschaften aufbauen. Auch an das Essen hab ich mich schnell gewöhnt und bald hatte ich schon meine bevorzugten Gerichte – und einige Kilos mehr auf den Rippen…
Die eigene Kultur besser kennenlernen
Aber bei so einem Aufenthalt lernt man nicht nur eine andere Kultur besser kennen, sondern vor allem auch die eigene. Hatte ich doch zuvor manches in Deutschland als starr und bürokratisch empfunden, habe ich es vor Ort in Chile dann doch schätzen gelernt. Es hat eben doch was, wenn man weiß, zu welcher Zeit der Bus kommen soll und man sich den Streckenverlauf genau ansehen kann (um nur eines von vielen Beispielen zu nennen). Ich habe viele Vorzüge an Deutschland und gewissen Gepflogenheiten hier gesehen und zum Teil auch vermisst. Aber ich habe im Vergleich auch Dinge kennengelernt, die mir an der chilenischen Kultur deutlich besser gefallen haben.
Kulturschock im eigenen Land
Relativ schnell habe ich mich eingelebt in Chile und die Zeit dort sehr genossen. Mit 16 hat es mir so gut dort gefallen, dass ich am liebsten dort geblieben wäre. Aber mein Leben und meine Familie in Deutschland haben auf mich gewartet und rückblickend bin ich sehr froh, dass ich zurückgekehrt bin 🙂
Doch die Rückkehr war nicht einfach. Der kulturelle „Schock“ bei der Ankunft in Chile wurde von vielen neuen Eindrücken und neuen Erlebnissen gewissermaßen überlagert. Dies war bei meiner Rückkehr nicht der Fall. Während ich eine enorme Entwicklung durchgemacht habe ich dem Jahr, war für mein Empfinden hier irgendwie die Zeit stehen geblieben. Na klar, meine KlassenkameradInnen und FreundInnen hatte sich auch entwickelt, aber das fiel mir irgendwie nicht so auf bzw. fielen mir vor allem unsere Differenzen auf. Überhaupt fiel mir auf einmal einiges in unserem Alltagsleben negativ auf, weil ich mich im Laufe dieses Jahres offenbar sehr an die chilenische Kultur gewöhnt hatte. Es brauchte insofern doch recht viel Zeit, bis ich wieder richtig im Leben hier angekommen war und für mich beide Kulturen vereinen und mich mit meinem neuen alten Alltag versöhnen konnte.
Ein Schuljahr im Ausland – eine lebenslange Bereicherung
Meine Erfahrungen und Erlebnisse kann mir niemand nehmen. Sie haben mich bis heute geprägt und ich möchte sie auf keinen Fall missen. Eine solch lange Zeit bei einer anderen Familie in einem anderen Land zu verbringen, ist sicher nicht immer einfach. Es lässt einen wachsen und ist neben viel Freude mitunter auch mit viel Leid verbunden. Und trotzdem blicke ich voller Freude auf diese Zeit und meine Erfahrungen zurück. Ja, ein solches Jahr ist schon eine Reise – vor allem eine Reise zu sich selbst…
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