Wenn meine Tochter mir von ihrem ersten eigenen Taschengeld etwas kaufen möchte

Was treibt dir Freudentränen in die Augen?

Meine älteste Tochter ist 5 Jahre alt. Sie ist diesen Sommer in die Schule gekommen und mächtig stolz. Die Tatsache, dass sie nun in die Schule gekommen ist, hat nicht nur bei ihr einiges verändert, sondern auch bei uns. Wir können es kaum fassen, dass wir auf einmal schon ein so großes Kind haben. Und jedes Mal, wenn sie wieder etwas nach Gehör schreibt, sind wir hin und weg. Dabei kommt es uns so vor, als sei es erst gestern gewesen, dass sie sich am Sofa hochzog und laufen lernen wollte. (Vielleicht ist uns das aber auch gerade so besonders präsent, weil sich unsere jüngste Tochter gerade genau in dieser Phase befindet…).

Schulkind sein

Unsere große Tochter scheint in jedem Fall auch von sich selbst das Bild eines großen Schulmädchens zu haben, was auch dazu führt, dass sie auf einmal viel mehr im Haushalt mithilft und auch mithelfen möchte. Ich brauche also, wenn die Spülmaschine mal wieder durchgelaufen ist, nur kurz fragen, ob sie bereit wäre, mir zu helfen, und schon packt sie ganz engagiert mit an. Auch auf ihre jüngste Schwester passt sie gern und zuverlässig mal ein paar Minuten auf, wenn ich z. B. mit der Essenszubereitung beschäftigt bin, mal eben unter die Dusche springe etc.

Aber zu dem neuen Selbstkonzept unserer Tochter gehört auch, dass sie nun Taschengeld bekommen möchte. Mein Mann und ich waren uns sehr schnell einig, dass wir das für sinnvoll und gut befinden und so gab es am Tag der Einschulung nun einen Euro und jede Woche folgt ein weiterer.

Wünsche eines Schulkindes

Meine Tochter hat normalerweise immer viele Wünsche. Sehr viele Wünsche haben wir ihr in den letzten Jahren auch schon erfüllt. Da alle unsere Kinder im letzten Quartal des Jahres Geburtstag haben, hat es sich so eingebürgert, dass sie zum Teil größere Geschenke – z. B. ein neues Fahrrad – auch abseits von Weihnachten oder dem Geburtstag bekommen (ist ja schließlich als kleines Kind sehr frustrierend, wenn man entweder ein Fahrrad bekommt, was noch ein gutes Stück zu groß ist und dann erstmal gefühlt ewig nicht genutzt werden darf oder wenn man eine Ewigkeit auf einem zu kleinen Fahrrad fahren, weil es das neue erst zu einem besonderen Anlass gibt). Vielleicht wäre es schöner, solch besondere Geschenke zu einem besonderen Anlass zu bekommen, aber wir sehen mittlerweile auch Vorteile darin, dass dem nicht so ist. An Geburtstagen ist keine so große Erwartungshaltung da, weil die Kinder schon wissen, dass sie von uns eher kleinere Dinge bekommen. Und gleichzeitig freuen sie sich auch abseits von besonderen Ereignissen ungemein über besondere Geschenke.

Auch jetzt hat meine Tochter wieder viele Wünsche, die ich mir fleißig notiere, um sie für Weihnachten und den Geburtstag an die Großeltern weiterzuleiten.

Das Taschengeld für die eigenen Wünsche ausgeben

Als meine Tochter nun also ihr erstes Taschengeld bekam, rechnete ich damit, dass sie mir sagen würde, was sich sie dann davon kaufen wolle. Genauer gesagt rechnete ich damit, dass sie mir z. B. sagen würde, dass sie es dafür sparen würde, in den Zirkus gehen zu können. Doch dies war gar nicht der Fall. Stattdessen sah meine Tochter mich an und sagte mir mit strahlenden Augen: „Wenn ich jetzt Taschengeld bekomme, dann kann ich dir was Schönes davon kaufen. Ich brauche noch ein bisschen mehr und dann kann ich erst was für dich kaufen und dann für Papa!“ Und dabei strahlte sie nur so vor Freude.

Ich war ehrlich gesagt ziemlich perplex ob dieser Worte. Sollte das Taschengeld nicht dafür da sein, sich eigene Wünsche zu erfüllen? So zumindest hatten wir es ihr auch erklärt. Und ja, das hatte sie wohl auch verstanden. Aber offenbar war ihr sehnlichster Wunsch, mir eine Freude zu bereiten. Uff. Als mir das klar wurde, hatte ich dann doch ein bisschen Pipi in den Augen und war sehr gerührt.

P. S.: Interpretationsmöglichkeiten wie diese, dass meine Tochter mir eine Freude bereiten möchte, weil ich möglicherweise traurig bin oder so, schließe ich aus, denn das ist einfach wirklich nicht der Fall. Nein, ich glaube tatsächlich eher, dass hier zwei entscheidende Aspekte zusammenkommen: Lernen am Modell und Perspektivübernahme. Sie hat sich von uns abgeguckt, wie wir das machen und weiß zugleich selber, wie sehr sie sich darüber freut, und gleichzeitig versetzt sie ich womöglich in meine Perspektive rein und bemerkt, dass ich stets versuche schöne Sachen, Überraschungen, Geschenke etc. für alle anderen Familienmitglieder zu besorgen, während ich selber oft auf der Strecke bleibe.

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4 Antworten zu „Wenn meine Tochter mir von ihrem ersten eigenen Taschengeld etwas kaufen möchte“

  1. Meiner jüngeren Tochter macht es auch sehr viel Freude andere zu beschenken, so habe ich schon oft Bastelsachen mitgekauft (wenn wir halt gerade einkaufen gehen mussten), die dann zu Geschenken für mich wurden. Immerhin muss ich die Kunstwerke nicht selbst kreieren, nur bezahlen und fertig entgegennehmen 😂😂

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    1. Ach wie schön, das klingt doch toll! Mit Kunstwerken und Basteleien werde ich auch überhäuft. Einerseits ist das wunderschön und andererseits stehe ich dann stets vor dem Problem, dass ich nicht weiß, wo ich das alles lagern soll, es mir aber auch schwerfällt, diese Dinge, die mit so viel Liebe für mich gemalt oder gebastelt wurden, einfach zu entsorgen 🤷🏼‍♀️

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      1. Ja, dieses Platzproblem haben wir auch. Derzeit füllen wir einige Schubladen mit den Kunstwerken bis sie nicht mehr zugehen und dann wird periodisch drüber geschaut, was die lange Zeit überhaupt überstanden hat, Erinnerungen weckt oder einfach aufgehoben werden muss – So reduziert sich der Schatz gelegentlich ein bisschen 😉

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      2. Ja, das klingt nach einer sehr sinnvollen Strategie. So haben wir es auch anfangs versucht, aber unserer ältesten Tochter fiel es leider auch beim erneuten Durchschauen nach einigen Jahren schwer, sich von ihren früheren Werken zu trennen 🤷🏼‍♀️
        Jetzt versuche ich immer eine Vorauswahl zu treffen, sodass die Schubladen nicht zu schnell überquellen und mit dem Wissen, dass ich von allem ein Foto mache, ist unsere Älteste voll d’accord. Digitaler Ballast stört mich (aktuell) zum Glück noch etwas weniger als der ganze materielle Kram in der Wohnung…

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