Kognitive Dissonanz

Hast du schon mal was von einer kognitiven Dissonanz gehört? Möglicherweise nicht, aber selber erlebt hast du sie mit Sicherheit schon.

Beispiele einer kognitiven Dissonanz

Wir alle kennen bestimmt eine der folgenden Situationen:

1. Es ist Sommer, eigentlich möchte man gerade jetzt vielleicht das eine oder andere Kilo abnehmen und sich gesund ernähren und gleichzeitig schmeckt das Eis von der Eisdiele um die Ecke an warmen Sommertagen einfach zu lecker. Wir möchten also einerseits das Eis und andererseits eigentlich nicht.

2. Die tollen neuen Schuhe haben nicht gerade wenig gekostet. Wir wollten sie unbedingt haben, weil sie uns so gut gefallen, doch nach ein paar Mal tragen stellen wir fest, dass sie gar nicht so gut sitzen. Ganz schön doof.

3. Weihnachten oder Geburtstag – immer wieder die Frage: was schenkt man? Doch nicht nur das Finden guter Geschenke ist schwierig, auch das Erhalten von Geschenken, die uns eigentlich nicht zusagen, ist mitunter schwierig. Wie reagiert man? Sagen, dass es einem gefällt, obwohl dies nicht der Fall ist? Oder die Person gegenüber möglicherweise vor den Kopf stoßen, in dem man sagt, dass es einem nicht gefällt? Uff, gar nicht so leicht…

Eine dieser Situationen oder eine ähnliche hast du mit Sicherheit schon einmal erlebt.

Die Bedeutung der kognitiven Dissonanz

Dieses mentale Unbehagen, das Hin- und Hergerissensein zwischen verschiedenen Handlungen, Reaktionen und Gedanken wird in der Psychologie als kognitive Dissonanz bezeichnet. Dieser Zustand der inneren Zerrissenheit fühlt sich nicht so gut für uns an. Das unangenehme Gefühl der Dissonanz wird als psychischer Stress empfunden. Der Wunsch, dieses Gefühl aufzulösen, verdeutlicht, dass es uns Menschen offenbar wichtig ist, psychisches Wohlbefinden herzustellen. Wir alle haben also in der Regel das Bestreben, die kognitive Dissonanz aufzulösen, was nur möglich ist, indem die Kluft zwischen der Handlung und den Gedanken verringert wird. Stimmt die Handlung mit unseren Überzeugungen überein, erleben wir auch keine kognitive Dissonanz mehr.

Das Auflösen der kognitiven Dissonanz

Nicht immer ist es möglich, eine kognitive Dissonanz komplett aufzulösen. Es gibt aber bestimmte Ansätze, sie zu reduzieren. Da es sich bei der Dissonanz um eine Diskrepanz zwischen dem Verhalten und der Kognition handelt, ist naheliegend, dass man an einem der beiden Hebel ansetzen muss, um die Dissonanz zu verringern und das Wohlbefinden zu erhöhen. In Bezug auf die oben genannten Beispiele bedeutet das etwa, dass man entweder auf das Eis verzichtet oder die Gedanken dahingehend verändert, dass ein Eis gar nicht so ungesund ist, man schon genug für die Gesundheit getan hat, man eigentlich zufrieden ist mit der eigenen Figur etc. Dabei ist auch das Hinzufügen neuer Gedanken möglich (z.B.: das Eis jetzt tut mir so gut, diese Ausnahme hilft mir dabei, langfristig motiviert zu bleiben, an meiner Gesundheit zu arbeiten).

Was den Schuhkauf anbelangt, so kann man beispielsweise entweder sich selber einreden, dass die Schuhe gar nicht so schlecht sitzen oder mit der Zeit besser sitzen werden, oder man kann sie spenden und sich sagen, dass man nun jemandem eine sehr große Freude gemacht hat, der sich sonst nie solche Schuhe leisten könnte.

Last but not least, die Geschenksituation: Hat man so getan, als ob einem das Geschenk gefällt, kann man sich beispielsweise hinterher einreden, dass es gut war, die Person nicht zu vergraulen, dass man also gelogen hat, um die Beziehung nicht zu belasten. Aber auch ein ehrliches Verhalten, was möglicherweise im Nachgang zu einem sozialen Konflikt führen könnte, lässt sich rechtfertigen („Ehrlichkeit ist mir wichtig“).

In welchem Situationen hast du schon mal eine kognitive Dissonanz erlebt? Und wie hast du sie aufgelöst?

Ich finde es gar nicht immer leicht, das psychische Wohlbefinden wieder herzustellen. Manchmal kommt es mir so vor, als rede man sich die Situation einfach nur schön im Nachhinein. Aber auch das hilft natürlich etwas. Eine Verhaltensänderung wie beispielsweise der Verzicht auf das Eis, fällt mir da fast leichter bzw. geht es mir damit im Nachgang oft besser.

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